Schiedsgerichtsverfahren in den Niederlanden

Internationale Schiedsgerichtsbarkeit ist ein populäres Mittel alternativer Streitbeilegung für internationale Wirtschaftstätigkeiten. Ins besonders in der See-, Wertpapier- und Bauindustrie ist das Schiedsverfahren sehr üblich. Weniger formal als die normale Rechtspflege, ist das Schiedsverfahren schneller und kostengünstiger zu gestalten. Ein weiterer nützlicher Vorteil des Schiedsverfahrens ist die immer bessere Durchsetzbarkeit von Schiedssprüchen auf internationaler Ebene. Auch darum wird das Schiedsverfahren in den Niederlanden auf breiter Ebene vereinbart.

New Yorker Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche

Die Niederlande haben das New Yorker Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche von 1958 ratifiziert. Folglich sind Niederländische Gerichte verpflichtet, eine Schiedsklausel zwischen Parteien anzuerkennen. Wenn die Parteien eine Schiedsklausel vereinbart haben, und sofern das Gericht feststellt dass die Vereinbarung wirksam und erfüllbar ist, wird das Gericht die Parteien (auf Antrag einer der Parteien) zur Behandlung und Entscheidung verweisen zu einen Schiedsgericht.

Das Übereinkommen sieht vor, dass jeder Vertragsstaat Schiedssprüche als rechtlich bindend und durchsetzbar erkennt, wenn diese im Einklang sind mit der Geschäftsordnung des Gebiets, in denen der Schiedsspruch geltend gemacht wird. Schiedssprüche aus anderen Vertragsstaaten werden in den Niederlanden anerkannt und sind vollstreckbar; umgekehrt sind niederländische Schiedssprüche vollstreckbar in anderen Vertragsstaaten. Das Übereinkommen wurde in der niederländischen Gesetzgebung umgesetzt, und zwar im Schiedsgerichtsbarkeitsgesetz von 1986 (Die Artikel 1020 bis 1076 der niederländischen Zivilprozessordnung).

Ad-hoc und institutionelle Schiedsverfahren

Wie in anderen Ländern können die Parteien sich für Ad-hoc Schiedsverfahren oder für institutionelle Schiedsgerichtsbarkeit entscheiden. Es gibt verschiedene Institute für Schiedsverfahren in den Niederlanden zwischen denen man entscheiden kann, doch Ad-hoc Schiedsverfahren sind eine gute und rechtlich einwandfreie Alternative.

Richtig strukturiert sollte ein Ad-hoc Schiedsverfahren preisgünstiger sein als ein institutionelles Schiedsverfahren; damit ist es auch besser geeignet für kleineren Forderungen und weniger wohlhabenden Parteien. Ein deutlicher Nachteil des Ad-hoc-Ansatz ist jedoch, dass ihre Wirksamkeit abhängig sein kann von die Bereitschaft der Parteien zur Zusammenarbeit und von den Talenten der Schiedsrichter um das Schiedsverfahren in Gang zu halten.

Eine institutionelle Schiedsgerichtsbarkeit ist eine spezialisierte Institution mit dauerhafter Natur, meistens mit eigenen Prozessregeln und mit professioneller Organisation. Oft wird der Vertrag zwischen den Parteien eine Schiedsklausel enthalten, die eine Schiedsgerichtsbarkeit benennt. Wenn die institutionellen administrativen Kosten, die erheblich sein können, nicht ein Faktor sind, ist diese institutionelle Ansatz bevorzugt.

Niederländisches Institut für Schiedsgerichtswesen
("Nederlands Arbitrage Instituut" oder NAI)

Dieses Institut wurde 1949 als gemeinnützige Stiftung gegründet. Der Verwaltungsrat besteht aus Vertretern der Wirtschaft und der Anwaltschaft sowie Angehörige der Justiz, von denen alle verfügen über langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Schiedsgerichtsbarkeit, der verbindlichen Beratung und der Vermittlung. Der Verwaltungsrat besteht auch aus Vertreter der niederländischen Handelskammer in Den Haag, der niederländischen Organisation der International Chamber of Commerce (Internationale Handelskammer), der niederländischen Vereinigung für Industrie und Handel, und des Rechnungswesens. Das Sekretariat befindet sich in Rotterdam.

Das NAI verwaltet das Schiedsverfahren gemäß der Schiedsordnung NAI von 2001. Verbindliche Beratung wird verwaltet nach den gleichen Regeln, während die Vermittlung verwaltet wird nach den 2009 NAI Mediation Rules.

Transport And Maritime Arbitration Rotterdam-Amsterdam (TAMARA)

Die niederländische juristische Gemeinschaft hat erkannt, dass es einen Bedarf gab für qualitativ hochwertigen Schiedsverfahren für Seeschifffahrt und für Fragen des internationalen Handels. Die Stiftung "Transport And Maritime Arbitration Rotterdam-Amsterdam (Tamara)" für das Schiedsverfahren in Transportsachen wurde im Jahr 1988 durch die niederländische maritime Rechtsanwälte und Interessengruppen in den Bereichen Schifffahrt, Transport und internationalen Handel gegründet. In den letzten Jahren hat die Stiftung TAMARA sich entwickelt zu einem gut etablierten Schiedsstelle, insbesondere auf niederländische maritime Kreise. Es ist eine bekannte Alternative zur Beilegung von Streitigkeiten durch Schiedsverfahren.

Streitigkeiten, die häufig von der Stiftung Tamara behandelt werden, sind Streitigkeiten über den Schiffbau (Jachten, Frachter, Bohrplattformen), Finanzierung und Versicherung, Vercharterung, Frachtansprüche, Stauer- und Vermittlungsleistungen, physische Distribution und Schiff-Makler-Dienste, sowie für andere Verkehrsträgern.

Tamara-Verfahren bieten eine Alternative für herkömmliche Gerichtsverfahren und zu dem Londoner Schiedgerichtsverfahren. Beilegung von Streitigkeiten über die Tamara Stiftung bietet mindestens den gleichen Standard wie ein traditionelles gerichtlichen Verfahrens oder des Londoner Schiedgerichtsverfahrens, aber in wesentlich kürzerer Zeit und zu erheblich geringeren Kosten. Die Tamara-Regel bieten ein schnelles, modernes Verfahren, mit Verbesserung der Geschwindigkeit und Effizienz.

Schiedsgerichtsrat für Bauunternehmen in den Niederlanden

Bauverträge enthalten oft eine Schiedsklausel für den Schiedsgerichtsrat für Bauunternehmen in den Niederlanden ("Raad van Arbitrage voor de Bouw"). Dieser Schiedsgerichtsrat besteht schon seit 1907 und behandelt Streitigkeiten mit Bezug auf Bauprojekte.

Abhängig von der Größe der Forderung wird eine Sache entweder von einem oder drei Schiedsrichtern behandelt worden. Die Parteien können gesammtlich wählen wer Mitglied des Schiedsgerichts ist; wenn keine Übereinstimmung besteht, wählt der Vorsitzende des Schiedsgerichtsrats. Mögliche Schiedsrichter sind Anwälte, Ingenieure, Architekten und andere Experte in der Baubranche die dem Schiedsgerichtsrat angeschlossen sind.

Das Sekretariat befindet sich in Utrecht. Die neueste Schiedsordnung der Schiedsgerichtsrat datiert vom 27. Mai 2006.

Weitere Informationen

Schiedsverfahren in den Niederlanden sind eine zuverlässige Möglichkeit, Konflikte zu lösen. Die Anwälte von Kernkamp Advocaten unterstützen Kunden aus aller Welt. Unsere Kanzlei bietet Dienstleistungen, die zuverlässig, effizient und professionell sind, und denen unsere Mandanten vertrauen können.

Sollten Sie Vertretung in einem Schiedsverfahren in den Niederlanden suchen, oder haben Sie fragen mit Bezug auf die Gültigkeit einer Schiedsklausel, dann wenden Sie sich bitte an unsere Kanzlei. Wir bieten unsere Mandanten eine exzellenten und kostengünstigen Service. Für weitere Informationen, stellen Sie sich bitte mit unserem Ansprechpartner in Verbindung. Ihre Fragen sind immer willkommen.

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